44 Prozent der Befragten in Griechenland fühlen sich wirtschaftlich unsicher. Die Studie basiert auf 10 000 Interviews und hebt besonders hohe Belastungen durch Energie- und Wohnkosten hervor.
Warum steht Griechenland beim Armutsbarometer so schlecht da?
Die Umfrage erfasst 10 000 Personen ab 18 Jahren in zehn Ländern. Griechenland liegt nach Moldau auf Platz zwei bei fast allen Indikatoren. 44 Prozent der Befragten geben an, dass eine unerwartete Ausgabe sie in Armut stürzen könnte. Der europäische Durchschnitt liegt bei 29 Prozent. Nur Moldau erreicht mit 55 Prozent einen höheren Wert. Polen, Rumänien und Serbien schneiden vergleichsweise besser ab. Die Organisation Secours Populaire Français verweist darauf, dass die Unsicherheit inzwischen auch die arbeitende Mittelschicht erfasst. Geopolitische Spannungen von der Ukraine bis zum Nahen Osten treiben weiterhin Energie- und Transportpreise und verschärfen die Lage. Die Studie betont, dass die Ergebnisse ähnlich düster ausfallen wie in den Vorjahren 2022 bis 2024. Die Befragten beschreiben eine anhaltende Verschlechterung, die nicht nur Arbeitslose, sondern zunehmend auch Beschäftigte mit mittlerem Einkommen betrifft. Secours Populaire Français betont die politische Dimension der Ergebnisse und sieht darin einen Aufruf zu stärkeren solidarischen Maßnahmen auf europäischer Ebene. Die Organisation mit 80-jähriger Geschichte und Wurzeln im Widerstand gegen den Faschismus verfolgt mit dem Barometer das Ziel, politische Einflussnahme zu erreichen und Solidaritätsbewegungen zu stärken.
Wie stark ist die wirtschaftliche Unsicherheit in der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz?
55 Prozent der Griechen beobachten viele unsichere Personen in ihrer Nachbarschaft. 47 Prozent sehen dies am Arbeitsplatz und 40 Prozent innerhalb der eigenen Familie. Diese Werte sind ebenfalls die zweithöchsten nach Moldau. Über die Hälfte der Befragten in Griechenland (53 Prozent) erwartet ein hohes Risiko, in den nächsten Monaten in Unsicherheit zu geraten. Der europäische Durchschnitt liegt bei 43 Prozent. In Italien äußern sogar 63 Prozent diese Sorge, in Moldau 57 Prozent. Die Befragten beschreiben eine breite Verunsicherung, die nicht mehr nur Arbeitslose betrifft. Auch Beschäftigte mit mittlerem Einkommen fühlen sich zunehmend bedroht. Die Organisation hebt hervor, dass die Wahrnehmung von Unsicherheit in der unmittelbaren Umgebung besonders hoch ist. Die Zahlen zeigen, dass die Krise nicht abstrakt bleibt, sondern im Alltag sichtbar wird. Viele Befragte berichten, dass Kollegen oder Nachbarn bereits von Kürzungen bei Gesundheit oder Ernährung sprechen. Dies verstärkt das Gefühl, dass die eigene Lage jederzeit kippen kann. Die Unsicherheit betrifft zunehmend auch die arbeitende Mittelschicht, die früher vor solchen Risiken geschützt war.
Welche Ursachen nennen die Betroffenen für ihre Lage?
71 Prozent führen unzureichende Einkommen als Hauptgrund an. Weitere genannte Faktoren sind unvorhersehbare Ausgaben (31 Prozent), gesundheitliche Probleme (20 Prozent) und Überschuldung (18 Prozent). Die Verteilung der Ursachen in Griechenland entspricht dem europäischen Durchschnitt. Frankreich liegt bei 77 Prozent, Portugal bei 75 Prozent und Italien bei 73 Prozent. Weitere Ursachen wie Jobverlust, psychische Belastungen oder familiäre Brüche werden ebenfalls genannt. Die Studie zeigt, dass unzureichende Einkommen der dominierende Faktor bleibt und die Lage der working poor immer deutlicher wird. Die Befragten sehen darin eine strukturelle Entwicklung, die auch stabile Beschäftigungsverhältnisse erfasst. Secours Populaire Français warnt, dass die Kombination aus stagnierenden Löhnen und steigenden Lebenshaltungskosten immer mehr Menschen in eine dauerhafte Schieflage bringt. Die Daten deuten darauf hin, dass einmal eingetretene Unsicherheit schwer wieder rückgängig zu machen ist. Die Mehrheit der Betroffenen in Europa nennt ebenfalls unzureichende Einkommen als zentrale Ursache.
Wie schneidet Griechenland beim Vergleich mit der Elterngeneration ab?
74 Prozent der Befragten in Griechenland sehen den Zugang zu bezahlbarer Energie schlechter als bei ihren Eltern. 65 Prozent berichten von schlechteren Chancen auf einen stabilen Arbeitsplatz und 59 Prozent von schlechteren Wohnbedingungen. Diese Anteile sind die höchsten in der untersuchten Ländergruppe. Europäisch sehen 69 Prozent die Energieversorgung verschlechtert, 60 Prozent die Arbeitsplatzstabilität und 52 Prozent die Wohnsituation. Die Studie ordnet diese Wahrnehmung in einen anhaltenden Inflationskontext ein. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein großer Teil der Bevölkerung das Gefühl hat, abgehängt zu sein. Die Organisation Secours Populaire Français sieht darin einen Hinweis auf langfristige gesellschaftliche Verschiebungen. Viele Befragte beschreiben, dass die Elterngeneration noch mit einem stabilen Job und einer bezahlbaren Wohnung rechnen konnte, während heute selbst Vollzeitbeschäftigte mit steigenden Mieten und Energiekosten kämpfen. Diese Generationenkluft wird als besonders belastend empfunden. In Griechenland sind die Werte bei Energie, Arbeit und Wohnen jeweils am höchsten.
Welche Rolle spielt die Energiearmut in Griechenland?
83 Prozent der griechischen Haushalte geben an, dass Energiekosten einen hohen oder sehr hohen Anteil am Budget ausmachen. 92 Prozent sorgen sich um die Bezahlung von Strom- und Gasrechnungen, davon 41 Prozent sehr stark. 84 Prozent äußern Sorge wegen der Kraftstoffpreise. 62 Prozent mussten bereits andere Ausgaben kürzen, um Energiekosten zu decken. 40 Prozent hatten im Winter häufig Probleme mit der ausreichenden Beheizung der Wohnung. Im Sommer berichten 40 Prozent von häufigen Schwierigkeiten bei der Kühlung. Der europäische Durchschnitt liegt bei 75 Prozent für hohe Energiekostenanteile und 38 Prozent für Kürzungen bei anderen Ausgaben. Die Studie zeigt, dass die Belastung durch Kraftstoffe in Griechenland besonders hoch ist. Die Organisation warnt vor weiteren Verschärfungen durch geopolitische Entwicklungen. Die Zahlen verdeutlichen, dass Energiearmut nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer ein massives Problem darstellt. Viele Haushalte müssen zwischen Heizen, Kühlen und anderen Grundbedürfnissen wählen. 74 Prozent der Griechen hatten im vergangenen Winter mindestens gelegentlich Schwierigkeiten bei der Beheizung, im Sommer 74 Prozent bei der Kühlung.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Armutsbarometer
Welche Länder wurden untersucht?
Die Studie umfasst Frankreich, Deutschland, Griechenland, Italien, Polen, das Vereinigte Königreich, Moldau, Portugal, Rumänien und Serbien.
Wie viele Personen wurden befragt?
Es handelt sich um 10 000 repräsentativ ausgewählte Personen ab 18 Jahren.
Welches Land schneidet am schlechtesten ab?
Moldau liegt bei den meisten Indikatoren auf dem ersten Platz, Griechenland folgt auf dem zweiten Platz.
Wie hoch ist der Anteil der besorgten Haushalte in Griechenland?
92 Prozent der Befragten in Griechenland machen sich Sorgen um die Energiekosten, 41 Prozent sehr stark.
Welche Folgen haben die Kostensteigerungen?
62 Prozent der Griechen mussten bereits Ausgaben für Gesundheit oder Ernährung kürzen, um Rechnungen zu bezahlen.
