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Biotechnologie-Unternehmen und Biodiversität: Kali-Fonds leer

Biotechnologie-Unternehmen und Biodiversität: Kali-Fonds leer

Biotechnologie-Unternehmen und Biodiversität stehen im Zentrum eines globalen Konflikts um die Vergütung genetischer Ressourcen. Während Firmen die Schätze der Erde für Medikamente nutzen, fließen kaum Mittel in den Naturschutz. Laut einem Bericht des Magazins Nature haben lediglich fünf Unternehmen insgesamt 10.588 US-Dollar an den Kali-Fonds gezahlt. Diese Summe steht im krassen Gegensatz zu den benötigten Milliardenbeträgen für den Erhalt der Artenvielfalt. Dieser Artikel untersucht die Hintergründe des Fonds, die Problematik der Biopiraterie und die Gründe für die geringe Beteiligung der Industrie.

Was ist der Kali-Fonds und warum wurde er ins Leben gerufen?

Der Kali-Fonds stellt den ersten ernsthaften Versuch dar, finanzielle Mittel aus der Wirtschaft zur Unterstützung der biologischen Vielfalt im Rahmen der UN-Biodiversitätskonvention zu generieren. Die Initiative basiert auf dem wegweisenden Kunming-Montreal-Rahmenwerk für die biologische Vielfalt aus dem Jahr 2022. Dieses Abkommen verpflichtet die Regierungen dazu, bis zum Jahr 2030 ein Drittel der Landflächen sowie der Küstengewässer unter Schutz zu stellen.

Ein zentraler Aspekt des Fonds ist die gerechte Verteilung der Mittel. Mindestens die Hälfte der finanziellen Zuwendungen soll direkt an indigene Völker und lokale Gemeinschaften fließen. Diese Gruppen sind oft die Hüter der biologischen Ressourcen, sehen sich jedoch häufig mit dem Problem der sogenannten „Biopiraterie“ konfrontiert. Dabei werden genetische Ressourcen aus einkommensschwachen Regionen extrahiert und kommerziell genutzt, ohne dass die Ursprungsländer oder die dort lebenden Gemeinschaften angemessen am Profit beteiligt werden.

Die Rolle des Kunming-Montreal-Rahmenwerks

Das Kunming-Montreal-Rahmenwerk dient als globaler Kompass für den Naturschutz. Es erkennt an, dass der Schutz der Biodiversität massive Investitionen erfordert, die über staatliche Budgets hinausgehen müssen. Der Kali-Fonds soll genau diese Lücke schließen, indem er Unternehmen dazu bringt, für die Nutzung der natürlichen „Datenbanken“ der Erde zu bezahlen.

Warum sind die bisherigen Zahlungen der Industrie so gering?

Die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Umweltschützer und der Realität ist massiv. Während Aktivisten auf Milliardenbeträge hofften, verzeichnet der Fonds nach zwei Jahren lediglich minimale Zuflüsse. Wie das Magazin Nature berichtet, haben nur fünf Unternehmen insgesamt die Summe von 10.588 US-Dollar beigesteuert. Amber Soltes, Mikrobiologin am Leibniz-DSMZ in Braunschweig, bezeichnete die Situation als enttäuschend und betonte, dass es keine Möglichkeit gebe, diese Zahlen schönzureden.

Ein Beispiel für ein engagiertes, wenn auch kleines Unternehmen ist Prozomix aus Großbritannien. Der technische Direktor des Unternehmens, James Finnegan, erklärte, dass man etwas für die Biodiversität zurückgeben müsse, die alle gemeinsam nutzen. Prozomix hat sich verpflichtet, 0,1 % seiner zukünftigen Einnahmen an den Fonds zu zahlen, und leistete bereits eine Zahlung von 5.000 US-Dollar – der bisher höchste Einzelbetrag.

Das Potenzial der Branchenbeteiligung

Trotz der aktuellen Zahlen zeigt eine Analyse der Ökonomin Agata Makowska-Karan von der London School of Economics (LSE) ein enormes Potenzial auf. Laut ihrem Bericht im Juni gibt es weltweit über 20.000 Unternehmen, die öffentliche genetische Daten nutzen und als groß genug gelten, um zum Kali-Fonds beizutragen. Würden diese Firmen lediglich 0,1 % ihres Umsatzes oder 1 % ihres Gewinns spenden, wie es die UN empfiehlt, könnte der Fonds jährlich bis zu 3,6 Milliarden US-Dollar generieren.

Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz bei der Nutzung genetischer Daten?

Die technologische Entwicklung hat die Art und Weise, wie biologische Ressourcen genutzt werden, grundlegend verändert. Insbesondere Unternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) rücken zunehmend in den Fokus der Debatte. Diese Firmen nutzen riesige Mengen an öffentlich zugänglichen genetischen Daten, um neue Medikamente oder Therapien zu entwickeln.

Ein prominentes Beispiel ist Isomorphic Labs, ein Tochterunternehmen der Alphabet-Gruppe. Das Unternehmen nutzt das System AlphaFold, um die Struktur von Proteinen vorherzusagen, wobei das Modell auf öffentlich verfügbaren biologischen Daten trainiert wurde. Auch das britische Unternehmen Basecamp Research nutzt genetische Informationen aus extremen Lebensräumen, um KI-Modelle für die Biologie zu füttern. Basecamp Research sicherte sich im September Investitionen in Höhe von 140 Millionen US-Dollar.

Unterschiedliche Ansätze der Vorteilsausgleiche

Es gibt einen signifikanten Unterschied in der Strategie der Unternehmen. Während der Kali-Fonds ein zentralisiertes System anstrebt, wählt Basecamp Research einen bilateralen Weg. Das Unternehmen schließt direkte Vereinbarungen mit den Ländern ab, in denen die Organismen leben, anstatt über einen globalen Fonds zu zahlen. Dies wirft die Frage auf, ob solche Einzelverträge die globale Schutzstrategie unterstützen oder die Fragmentierung der Ressourcen fördern.

Was behindert die Mobilisierung globaler Gelder?

Mehrere strukturelle und rechtliche Probleme verhindern derzeit eine massive Mobilisierung von Kapital. Ein Hauptgrund ist die Unsicherheit über die rechtliche Natur der Zahlungen. Branchenvertreter und Lobbyisten äußerten auf der Biodiversitätskonferenz in Eriwan, dass unklar sei, ob Zahlungen an den Kali-Fonds die Verpflichtung gegenüber einzelnen Nationalstaaten entbinden, die eigene Gesetze zur Nutzung genetischer Ressourcen haben.

Zudem fehlen entscheidende operative Details zur Funktionsweise des Fonds. Die Verhandlungen auf der diesjährigen Konferenz in Armenien verliefen nur schleppend. Die Teilnehmer einigten sich lediglich darauf, die Gespräche auf die nächste Konferenz im Jahr 2028 zu vertagen. Diese Verzögerung hat weitreichende Folgen für den Naturschutz.

Die Konsequenzen der Verzögerung

Paki Das, politische Beraterin der Organisation Plant-for-the-Planet, kritisierte die Entscheidung zur Vertagung scharf. Durch das Aufschieben kritischer Entscheidungen um zwei Jahre hätten die Vertragsparteien faktisch sichergestellt, dass der Fonds bis zum nächsten Treffen leer bleibt. Dies gefährdet die ambitionierten Ziele, bis 2030 jährlich 200 Milliarden US-Dollar für den Biodiversitätsschutz zu mobilisieren.

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Was ist das Ziel des Kali-Fonds?

Der Kali-Fonds soll Gelder aus der Privatwirtschaft sammeln, um den Schutz der globalen Biodiversität zu finanzieren. Ein Großteil der Mittel soll direkt an indigene Gemeinschaften gehen, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt verantwortlich sind und oft unter Biopiraterie leiden.

Warum zahlen so wenige Unternehmen in den Fonds ein?

Die geringe Beteiligung liegt an rechtlicher Unsicherheit und fehlenden klaren Regeln. Unternehmen sind besorgt, dass Zahlungen an den Fonds sie nicht von nationalen Zahlungsverpflichtungen befreien. Zudem fehlen detaillierte Vorgaben zur operativen Umsetzung des Fonds, was die Entscheidung zur Beteiligung erschwert.

Wie viel Geld wird für den Naturschutz benötigt?

Die internationale Gemeinschaft hat das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 jährlich etwa 200 Milliarden US-Dollar für den Erhalt der Biodiversität bereitzustellen. Die aktuellen Zuflüsse in globale Fonds wie den Kali-Fonds liegen jedoch weit unter diesen notwendigen Summen.

Was versteht man unter Biopiraterie?

Biopiraterie bezeichnet die unbefugte kommerzielle Nutzung von genetischen Ressourcen oder traditionellem Wissen durch Unternehmen oder Forschungseinrichtungen, ohne die Ursprungsländer oder die betroffenen lokalen Gemeinschaften finanziell oder rechtlich angemessen am Gewinn zu beteiligen.

Welchen Einfluss hat KI auf die Nutzung genetischer Daten?

KI-Modelle nutzen riesige Mengen an genetischen Informationen, um biologische Prozesse vorherzusagen und neue Medikamente zu entwickeln. Dies schafft eine neue Ebene der Wertschöpfung, bei der die Grenze zwischen öffentlich zugänglichen Daten und kommerziell verwertbarem genetischem Reichtum verschwimmt.

Key takeaways

Die Zukunft der globalen Biodiversitätsfinanzierung

Die aktuelle Situation des Kali-Fonds verdeutlicht das tiefe Misstrauen und die strukturellen Hürden zwischen der globalen Wirtschaft und dem Naturschutz. Während technologische Fortschritte in der Biotechnologie und KI den Zugang zu genetischen Ressourcen massiv vereinfachen, hinkt die finanzielle Kompensation hinterher. Die Entscheidung, wichtige Verhandlungen bis 2028 aufzuschieben, lässt den globalen Schutzbemühungen wertvolle Zeit verloren. Ohne verbindliche Regeln und eine rechtliche Absicherung der Zahlungen wird es schwierig, die notwendigen Milliardenbeträge für den Erhalt unseres Planeten zu mobilisieren. Der Kampf um die gerechte Verteilung des genetischen Reichtums bleibt eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Dekade.