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Umwelt

WWF Griechenland und MedINA bewerten nach Autopsie und Satellitendaten: 90 Prozent der Fläche zeigen nur Oberflächenbrand, 1.000 Hektar Kronenbrand auf dem Kamm. Die Klimakrise macht Hochgebirgsfeuer häufiger und intensiver.

WWF Griechenland und MedINA bewerten nach Autopsie und Satellitendaten: 90 Prozent der Fläche zeigen nur Oberflächenbrand, 1.000 Hektar Kronenbrand auf dem Kamm. Die Klimakrise macht Hochgebirgsfeuer häufiger und intensiver.

Ist der Brand in Konitsa so zerstörerisch wie dargestellt? Erste Ergebnisse nach Geländebegehung und Satellitenanalyse von WWF und MedINA zeigen ein differenziertes Bild.

Wie groß ist der tatsächliche Schaden?

Die Feuerwehr meldete am 16. September 2026, dem 16. Tag des Brandes, nur noch vereinzelte Rauchpunkte ohne offene Flammen. Dennoch blieb die volle Einsatzstärke vor Ort. Nikos Georgiadis, Leiter des terrestrischen Programms von WWF Griechenland, bestätigt nach Geländebegehung: Der Brand hat etwa 10.000 Hektar beeinflusst. Davon verlief die Flamme auf 9.000 Hektar als Oberflächenfeuer und verbrannte nur Bodenvegetation, abgestorbene Äste und Laub. Auf 1.000 Hektar erreichte sie die Kronen, vor allem am Kamm.

Vorherige Bewirtschaftungsmaßnahmen des zuständigen Forstamts haben die Ausbreitung gebremst. Die Satellitenbilder und die Feldbeobachtungen stimmen weitgehend überein. Georgiadis betont: Der häufig geäußerte Eindruck einer „unwiederbringlichen Zerstörung“ eines einzigartigen Ökosystems trifft so nicht zu. Die Autopsie zeigt, dass der größte Teil der Fläche nur oberflächlich betroffen ist und die Krone der meisten Bäume grün geblieben ist. Die 1.000 Hektar Kronenbrand konzentrieren sich auf die Kammregion, wo die Intensität deutlich höher war. Die Kombination aus Feldbeobachtungen und Satellitendaten ergibt ein differenziertes Bild, das keine flächendeckende Vernichtung bestätigt. Georgiadis beschreibt die Feuerwehrpräsenz als letzte „öffentliche“ Brandbekämpfung, bei der das Ministerium keinen Rauch mehr dulden will. Das charakteristische Brennmuster zeigt hohe Intensität am Kamm mit Zungen unterschiedlicher Stärke, während große Teile des Waldes nur oberflächlich betroffen sind und grüne Kronen behalten.

Warum Hochgebirgsfeuer durch die Klimakrise gefährlicher werden

Feuer in großen Höhen, meist durch Blitzschlag bei trockenen Gewittern ausgelöst, breiten sich langsam aus und bleiben oft tagelang unter der Oberfläche aktiv. Früher blieben sie meist als Oberflächenfeuer schwach. Seit 2024 nehmen mehrwöchige Brände in Nordgriechenland deutlich zu: 30 Tage am Paiko, ein ganzer Monat am Orvilos, weitere Fälle am Falakro und den Pieria-Bergen. Die anhaltende Trockenheit lässt diese Feuer leichter in Kronenfeuer übergehen. In Konitsa lagen die Mittagstemperaturen über 2.000 Metern bei 35 Grad Celsius – eine Situation, die ohne Klimawandel seltener wäre. Georgiadis berichtet, dass in den letzten Jahren immer mehr solcher Brände in den Bergwäldern Nordgriechenlands auftreten. Früher gab es sie, doch nicht in dieser Häufigkeit und Intensität. Die Klimakrise schafft trockene Bedingungen, die Oberflächenfeuer schneller zu Kronenfeuern machen. Ähnliche Fälle ereigneten sich seither am Mainalo, in Valia Calda und den Menikio-Bergen. Die Trockenheit intensiviert diese Feuer und erschwert die Bekämpfung erheblich. Georgiadis warnt, dass solche Feuer künftig noch heftiger werden könnten. Er weist darauf hin, dass die Trockenheit, die durch die Klimakrise verstärkt wird, diese Brände von reinen Oberflächenfeuern in gefährliche Kronenfeuer verwandelt.

Welche Vorteile kann ein Oberflächenfeuer haben?

Bei niedriger bis mittlerer Intensität reinigt ein Oberflächenfeuer den Boden von abgestorbenem Material, fördert die Nährstoffrückführung und schafft kleine Lichtungen. Das begünstigt die Verjüngung von Schwarzkiefer und Tanne. Voraussetzung bleibt eine begrenzte Dauer und Häufigkeit. Bei zu starker oder zu häufiger Belastung kehrt sich der Effekt um. Georgiadis erklärt, dass 90 Prozent der betroffenen Fläche als Oberflächenbrand verliefen. Solche Feuer können unter bestimmten Bedingungen ökologisch nützlich sein, indem sie das Unterholz reduzieren und die Nährstoffkreisläufe anregen. Die Vorteile hängen jedoch von Dauer, Intensität und Häufigkeit ab. In dichten, unbewirtschafteten Wäldern können unkontrollierte Feuer dagegen größere Risiken bergen als in gepflegten Beständen. Georgiadis nennt konkrete Effekte: Reinigung des Bodens von Laub, Rückführung von Nährstoffen, Reduzierung der Brennstofflast und Schaffung von Lichtungen, die besonders der Schwarzkiefer und der Tanne zugutekommen. Das Ergebnis hängt immer von der Stärke, Dauer und Häufigkeit ab. Er betont, dass ein solches Feuer unter geeigneten Voraussetzungen die natürliche Regeneration fördert und ein heterogeneres Waldgefüge schafft.

Wie steht es um die natürliche Regeneration?

Auf den 9.000 Hektar Oberflächenbrand blieben genügend lebende Bäume und Inseln intakter Vegetation erhalten. Erste Kraut- und Strauchvegetation wird innerhalb weniger Monate erwartet, sofern keine schweren Starkregen die Böden erodieren. Auf dem 1.000 Hektar großen Kamm mit reifem Weißrindiger Kiefer (Pinus leucodermis) fehlen jedoch ausreichend unversehrte Altbäume für eine schnelle natürliche Samenausbreitung. Hier sind langfristige Beobachtung und gegebenenfalls gezielte Pflanzungen erforderlich. Die übrigen Flächen zeigen nach Einschätzung der Experten gute Aussichten auf eine schrittweise Wiederbewaldung innerhalb von Jahrzehnten. Georgiadis betont, dass nach der ersten Bodenbedeckung durch Krautvegetation die verbliebenen Altbäume Samen produzieren werden. Über Jahrzehnte entsteht so ein heterogeneres Waldstück mit natürlichen Lücken, was nicht zwangsläufig negativ ist. Auf dem Kamm bleibt die Lage schwieriger, weil dort zu wenige unversehrte Altbäume für die natürliche Samenausbreitung übrig sind. Georgiadis sagt: „Etwa wird verloren gehen, aber die befürchtete Katastrophe ist nicht eingetreten.“ Er fügt hinzu, dass die ersten Monate entscheidend sind, um Erosion zu vermeiden und die ersten Pflanzen den Boden zu stabilisieren.

Welche Lehren ergeben sich für die Zukunft?

Georgiadis warnt vor einer Verlagerung der Strategie: Neben der reinen Brandbekämpfung wird aktives Waldmanagement in den Hochlagen notwendig. Dazu gehören gezielte Reduktion von Brennstoff, Förderung strukturreicher Bestände und angepasste Bewirtschaftungspläne für kältebedürftige Nadelwälder. Die Feuerwehr leistete unter extrem schwierigen Bedingungen, doch alleinige Löschaktionen stoßen in unwegsamem Gelände an Grenzen. Die EMODE-Einheiten bewegten sich wie Bergziegen durch das steile Gelände, um wirksam zu sein. Georgiadis fordert, dass künftig auch die Bewirtschaftung der Hochlagenwälder mitgedacht werden muss, damit solche Feuer weniger zerstörerisch verlaufen. Die Klimakrise macht eine reine Konzentration auf Löschaktionen unzureichend. Er betont die Notwendigkeit, über reine Bekämpfung hinauszudenken und Maßnahmen für kältebedürftige Nadelwälder zu entwickeln. Die EMODE-Teams arbeiteten unter extremen Bedingungen, indem sie Schläuche über mobile Wassertanks zogen, die von Hubschraubern abgeworfen wurden, um auch in große Höhen vorzudringen.

FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Waldbrand in Konitsa

Wie viele Hektar wurden wirklich zerstört?

Etwa 10.000 Hektar wurden erfasst. Davon zeigen 9.000 Hektar nur Oberflächenbrand, 1.000 Hektar Kronenbrand am Kamm.

Ist der Schaden so groß wie in den Medien dargestellt?

Nein. WWF und MedINA sehen keine flächendeckende Zerstörung eines einzigartigen Ökosystems, sondern differenzierte Auswirkungen mit guten Regenerationschancen auf der Mehrzahl der Flächen.

Warum dauert das Feuer so lange?

Hochgebirgsfeuer breiten sich langsam aus, bleiben oft unterirdisch aktiv und sind in steilem Gelände schwer zu erreichen. Das ist typisch und kein neues Phänomen.

Welche Rolle spielt die Klimakrise?

Die Klimakrise erhöht die Häufigkeit und Intensität dieser Brände, indem sie trockene Bedingungen in großen Höhen begünstigt und Oberflächenfeuer leichter in Kronenfeuer übergehen lässt.

Braucht es Aufforstungen?

Auf dem Kamm mit der seltenen Weißrindigen Kiefer sind gezielte Pflanzungen wahrscheinlich nötig. Auf den übrigen Flächen reicht meist die natürliche Verjüngung aus.