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Gerda Taro: Neue Filmbiografie und Forschung zu „Der fallende Soldat“

Gerda Taro: Neue Filmbiografie und Forschung zu „Der fallende Soldat“

Eine neue Filmbiografie bringt ihr Werk in Venedig ins Licht, während Forscher Hinweise liefern, dass das ikonische Foto „Der fallende Soldat“ möglicherweise von ihr stammt.

Wer war Gerda Taro?

Gerda Taro, geboren 1910 als Gerta Pohorylle in Stuttgart, entstammte einer jüdischen bürgerlichen Familie. Zusammen mit Endre Friedmann, der später als Robert Capa bekannt wurde, floh sie vor dem Nationalsozialismus nach Paris. Dort entwickelte sie das gemeinsame Pseudonym, das höhere Honorare und Respekt sichern sollte. Zwischen 1936 und 1937 dokumentierten beide den Spanischen Bürgerkrieg. Ihre Bilder erschienen unter dem Namen Capa in Life und Picture Post. Taro und Friedmann stammten beide aus jüdischen Mittelstandsfamilien, sie aus Stuttgart, er drei Jahre später aus Budapest. Sie trafen in Paris auf weitere prominente Persönlichkeiten wie Henri Cartier-Bresson, Ernest Hemingway, Martha Gellhorn und Willy Brandt, der später erster sozialdemokratischer Bundeskanzler der Bundesrepublik wurde. Das Pseudonym Robert Capa sollte den Eindruck eines erfahrenen amerikanischen Kriegsberichterstatters erwecken und höhere Bezahlung ermöglichen. Das Wort cápa bedeutet im Ungarischen auch Hai. Die beiden lebten in der französischen Hauptstadt, nachdem sie vor der Bedrohung durch die Nationalsozialisten geflohen waren, und knüpften dort Kontakte zu anderen Künstlern und Journalisten, die später weltbekannt wurden. Taro erfand das Pseudonym, um kommerziellen Erfolg zu sichern, und beide nutzten es für ihre gemeinsamen Veröffentlichungen.

Der Film „La Ragazza Con la Leica“ in Venedig

Die Regisseurin Alina Marazzi präsentiert auf dem Filmfestival in Venedig eine Biografie über Taro. Der Film basiert auf dem Roman von Elena Janeczek und zeigt die Entwicklung der Fotografin von der gemeinsamen Arbeit mit Capa bis zu ihrem Wunsch nach eigenständiger Anerkennung. Emilia Schule spielt Taro, Aaron Altaras verkörpert Friedmann. Marazzi betont, dass Taro sowohl die hoffnungsvolle Anfangsphase des Krieges als auch dessen tragische Auswirkungen auf Zivilisten einfing. Sie sagt, Taro habe die anfängliche Phase des Spanischen Bürgerkriegs mit Optimismus und Hoffnung sowie die tragischen Endphasen festgehalten. Sie sei eine der ersten Frauen gewesen, die direkt an der Front fotografierte, aber auch die Folgen für einfache Menschen, Frauen und Kinder dokumentierte. Der Film zeigt, wie Taro trotz der gemeinsamen Erfindung des Namens Robert Capa eine starke Unabhängigkeit entwickelte und sich nicht länger im Schatten des Pseudonyms verlieren wollte. Marazzi hebt hervor, dass Taro die Kämpfe und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung gleichermaßen festhielt und damit eine einzigartige Perspektive auf den Konflikt lieferte. Die Premiere erfolgt genau zu dem Zeitpunkt, an dem neue Zweifel an der Urheberschaft des berühmtesten Fotos aufkommen.

Die Debatte um „Der fallende Soldat“

Der spanische Historiker Fernando Penco Valenzuela untersuchte das 1937 in Life veröffentlichte Foto. Technische Analysen deuten darauf hin, dass es mit Taros Reflex-Korelle im 6x6-Format und nicht mit Capas Leica aufgenommen wurde. Die quadratische Form und der Aufnahmeort Espejo am 5. September 1936 stützen diese These. Penco vermutet zudem, dass das Bild inszeniert sein könnte, da in der Region keine Kampfhandlungen stattfanden. Er hat jahrelang das Werk Capas erforscht und lokalisiert den Ort der Aufnahme im Dorf Espejo am Cerro Muriano bei Córdoba. Eine Fotografie von Taro selbst zeigt sie an diesem Tag mit der Reflex-Korelle, die sie von ihrem ersten Fotografengehalt erworben hatte. Penco ordnet alle quadratischen Aufnahmen aus Espejo Taro zu und die rechteckigen Friedmann. Da das Bild des fallenden Soldaten quadratisch ist, hält er die Zuschreibung an Taro für zwingend. Er äußert gegenüber dem Guardian, er habe nicht den geringsten Zweifel daran. Die Analyse stützt sich auf Vergleiche der Negativformate und auf zeitgenössische Aufnahmen des Paares am selben Ort. Penco betont, dass die fehlenden Kampfhandlungen am Aufnahmetag die Inszenierungsthese nahelegen.

Belege aus der Magnum-Ausstellung

Eine 2025 in Madrid gezeigte Retrospektive der Agentur Magnum wies bereits darauf hin, dass einige Abzüge des Fotos quadratische Formate aufwiesen. Die Zuordnung zu Taros Kamera erscheint damit plausibel. Das Paar arbeitete oft am gleichen Ort, und Fotos wurden häufig unter dem gemeinsamen Namen eingereicht. Die Ausstellung vermerkte, dass manche Abzüge rechteckig, andere jedoch quadratisch seien und somit von einer 6x6-Kamera stammten. Penco ergänzt, dass es damals üblich war, Bilder unter dem Namen der Kooperative einzureichen. Weil Taro und Friedmann ein Paar waren, erschwert dies die eindeutige Zuordnung zusätzlich. Marazzi hält es für möglich, dass Taro das Bild machte, da beide zur selben Zeit am selben Ort fotografierten. Die quadratische Bildform und die Tatsache, dass Taro an jenem Tag ihre eigene Kamera trug, bilden die zentralen Argumente für eine Neuzuordnung des Fotos. Die Magnum-Ausstellung lieferte damit den ersten öffentlichen Hinweis auf die möglichen quadratischen Negative.

Taros Tod und Vermächtnis

Im Juli 1937 wurde Taro bei Brunete von einem republikanischen Panzer überrollt und starb im Krankenhaus von El Escorial. Sie wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris beigesetzt. Ihr Werk blieb lange im Schatten Capas. Der Film und die neuen Forschungsergebnisse tragen dazu bei, ihre eigenständige Rolle als Pionierin der Kriegsfotografie sichtbar zu machen. Taro hatte die Kämpfe in der Region Brunete bei Madrid für die französische kommunistische Zeitung Ce Soir fotografiert, als sie von dem rückwärts fahrenden Panzer erfasst wurde. Ihr früher Tod machte sie zur ersten bekannten Fotoreporterin, die im Krieg ums Leben kam. Die neue Biografie und die Analysen von Penco sollen nun helfen, ihr eigenes Schaffen deutlicher von dem gemeinsamen Pseudonym zu trennen. Taro hatte bereits begonnen, sich von der gemeinsamen Arbeit zu lösen und eigene Aufträge anzunehmen, bevor der Unfall ihr Leben beendete. Ihr Vermächtnis wird durch die aktuelle Debatte und den Film wieder stärker sichtbar.

Häufig gestellte Fragen

Wer war Gerda Taro?

Gerda Taro war eine deutsche Fotoreporterin, die 1910 in Stuttgart geboren wurde und 1937 als erste Frau bei der Kriegsberichterstattung starb.

Was zeigt der Film „La Ragazza Con la Leica“?

Der Film erzählt Taros Leben von der Flucht nach Paris über die gemeinsame Arbeit mit Robert Capa bis zu ihrem Streben nach Unabhängigkeit.

Wer hat „Der fallende Soldat“ aufgenommen?

Neue Analysen sprechen dafür, dass das Foto mit Taros Kamera gemacht wurde und möglicherweise inszeniert war.

Warum ist Taro lange übersehen worden?

Das gemeinsame Pseudonym Robert Capa und die enge Partnerschaft führten dazu, dass viele Bilder Capa zugeschrieben wurden.

Wo wird der Film gezeigt?

Die Premiere findet auf dem Filmfestival in Venedig statt.