Die ELAS warnt eindringlich vor den massiven Defiziten der aktuellen griechischen Forschungspolitik. Es reicht bei weitem nicht aus, lediglich Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben, um einen nachhaltigen Brain Gain zu erzielen. Ohne eine stabile, langfristige Finanzierung und den Aufbau moderner Infrastrukturen bleibt die Rückkehr hochqualifizierter Wissenschaftler in das Heimatland ein riskantes und letztlich kaum erfolgversprechendes Unterfangen. Die Organisation fordert daher tiefgreifende strukturelle Reformen, um die wissenschaftliche Attraktivität Griechenlands dauerhaft zu sichern. Zudem betont die ELAS, dass nur eine verlässliche staatliche Unterstützung die Forschungsgemeinschaft vor dem Kollaps bewahren kann.
Warum reicht die bloße Anwerbung von Fachkräften für einen Brain Gain nicht aus?
Die bloße Existenz von Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft garantiert keinen nachhaltigen Brain Gain für das akademische und wissenschaftliche Ökosystem Griechenlands. Der Bildungssektor der ELAS weist darauf hin, dass die Strategie der Regierung in San Francisco, die sich primär auf die Gewinnung spezialisierter Arbeitskräfte für Unternehmen konzentrierte, eine entscheidende Frage offen lässt: Welche Perspektiven bietet Griechenland Wissenschaftlern, die an Universitäten und nationalen Forschungszentren arbeiten möchten, die als Säulen der Forschung und Entwicklung gelten?
Für eine erfolgreiche Rückkehrbewegung von Experten ist die reine Verfügbarkeit von Stellen nicht ausreichend. Die ELAS betont, dass berufliche Gelegenheiten eine stabile Finanzierung, moderne Forschungsinfrastrukturen und langfristig planbare Positionen nicht ersetzen können. Wissenschaftler benötigen ein Umfeld, das kontinuierliche Investitionen und eine klare wissenschaftliche Entwicklung ermöglicht, anstatt nur punktuelle Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Ohne diese Grundlagen riskieren die Bemühungen um den Brain Gain, wirkungslos zu bleiben.
Die Diskrepanz zwischen politischem Anspruch und akademischer Realität
Der politische Diskurs fokussiert sich oft auf die wirtschaftliche Integration von Fachkräften, während die strukturellen Bedürfnisse der Forschungsinstitute vernachlässigt werden. Ein Brain Gain findet nur statt, wenn die wissenschaftliche Infrastruktur mit den Ambitionen der Rückkehrer Schritt hält. Wenn Forscher zwar zurückkehren, aber keine Mittel für Experimente, keine modernen Labore und keine dauerhaften Stellen vorfinden, riskieren sie einen erneuten Brain Drain kurz nach ihrer Rückkehr.
Die ELAS hebt hervor, dass die Regierung zwar von der Rückkehr der Wissenschaftler spricht, dabei jedoch die eigenen Fehlentwicklungen in der Forschungspolitik ausspart. Es besteht eine tiefe Kluft zwischen den rhetorischen Zielen der politischen Führung und der tatsächlichen Handlungsfähigkeit der Forschungseinrichtungen. Diese Diskrepanz gefährdet die langfristige wissenschaftliche Exzellenz des Landes.
Welche Rolle spielt die Finanzierung durch ELIDEK für die Forschung?
Die ELIDEK (Hellenic Foundation for Research and Innovation), die 2016 durch die Regierung von Alexis Tsipras institutionalisiert wurde, stellt einen zentralen Pfeiler für die Förderung junger Wissenschaftler, Postdocs und Forschungsgruppen dar. Die ELAS fordert jedoch dringende Antworten zur Fortführung dieses Projekts und zur langfristigen Budgetplanung der Stiftung.
Obwohl die ELIDEK in der Vergangenheit Möglichkeiten für neue Forschungsteams geschaffen hat, herrscht derzeit große Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung. Die ELAS kritisiert, dass die bloße Veröffentlichung früherer Förderergebnisse keine Antwort auf das Bedürfnis nach einer kontinuierlichen und vorhersehbaren Unterstützung darstellt. Ein entscheidender Punkt ist die Frage, wann neue Förderzyklen ausgeschrieben werden und wie hoch das mehrjährige Budget der Stiftung tatsächlich ausfällt. Ohne diese Klarheit bleibt die Planungssicherheit für die akademische Gemeinschaft aus.
Warum scheiterten Programme wie „Trust your Stars“?
Das Programm „Trust your Stars“, das speziell darauf ausgelegt war, Forschungsprojekte junger Wissenschaftler zu unterstützen, wurde vom Wiederaufbaufonds (Recovery Fund) gestrichen. Dies geschah, nachdem bereits 1.241 Anträge eingereicht worden waren, was zu einer erheblichen Planungsunsicherheit für die betroffenen Forschungsgruppen führte. Die Streichung hat die gesamte Vorbereitung dieser Teams zunichtegemacht.
Die ELAS stellt in diesem Zusammenhang kritische Fragen zur Verantwortlichkeit der zuständigen Stellen und fordert Aufklärung darüber, welche Gründe zur Deinvestition führten. Zudem bleibt völlig unklar, welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für die Forscher bereitstehen, die bereits signifikante Zeit und Arbeit in die Vorbereitung ihrer Anträge investiert hatten. Dieser Vorfall untergräbt das Vertrauen in staatliche Förderprogramme massiv.
Die Folgen der Budgetstreichung für junge Talente
Der Verlust solcher Programme trifft vor allem die nächste Generation von Wissenschaftlern. Wenn Investitionen in die Vorbereitung von Forschungsprojekten durch administrative Entscheidungen wertlos werden, sinkt die Motivation, sich im nationalen System zu engagieren. Dies untergräbt direkt das Ziel, hochqualifizierte Talente durch den sogenannten Brain Gain langfristig an Griechenland zu binden.
Wie steht es um das Programm „Ereuno – Kainonomo“?
Das Programm „Ereuno – Kainonomo“ (Ich erforsche – Ich innoviere) leidet unter massiven zeitlichen Verzögerungen zwischen dem Beginn des Prozesses und der Veröffentlichung der Ergebnisse, was die Planung wissenschaftlicher Kooperationen erschwert. Die ELAS weist auf eine signifikante Diskrepanz zwischen den genehmigten und den tatsächlich finanzierten Anträgen hin.
In der zweiten Phase der Intervention wurden beispielsweise nur 199 der 1.938 eingereichten Anträge genehmigt. Besonders problematisch ist die Situation der 442 Anträge, die zwar positiv bewertet, aber aufgrund erschöpfter Budgets nicht finanziert werden konnten. Dies wirft grundlegende Fragen zur Angemessenheit der bereitgestellten Ressourcen sowie zur Transparenz der Bewertungsprozesse und der zeitlichen Abwicklung auf. Die Forscher stehen vor der Situation, dass ihre wissenschaftliche Qualität anerkannt, ihre Arbeit aber finanziell nicht ermöglicht wird.
Welche Hürden gibt es bei den nationalen Forschungsinfrastrukturen?
Der Prozess zur Unterstützung der nationalen Forschungsinfrastrukturen, für den ein Budget von 120 Millionen Euro vorgesehen war, weist erhebliche Verzögerungen in der Umsetzung auf. Obwohl der Prozess im Dezember 2023 begann, wurden die vorläufigen Bewertungsergebnisse für die zweite Phase erst im Mai 2026 veröffentlicht – also zweieinhalb Jahre nach dem Start. Die Einladung für die zweite Phase wurde bereits im Juli 2025 veröffentlicht.
Diese zeitliche Verzögerung blockiert die Umsetzung wichtiger wissenschaftlicher Projekte. Die ELAS fordert einen klaren Zeitplan für die endgültigen Entscheidungen, die Auszahlung der Mittel und den tatsächlichen Beginn der Projektrealisierung. Ohne diese Planungssicherheit können die Infrastrukturen nicht modernisiert werden, was die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Forschung auf internationaler Ebene schwächt.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zur Forschungspolitik in Griechenland
Was ist der Hauptkritikpunkt der ELAS an der Regierung?
Die ELAS kritisiert, dass die Regierung zwar den Brain Gain durch die Rückkehr von Wissenschaftlern propagiert, aber gleichzeitig die notwendige finanzielle und infrastrukturelle Basis dafür vernachlässigt. Es mangelt an verlässlicher, langfristiger Förderung und planbaren Karrierewegen in der akademischen Forschung.
Warum ist das Programm „Trust your Stars“ so umstritten?
Das Programm ist umstritten, weil es trotz über 1.200 eingereichter Anträge vom Wiederaufbaufonds gestrichen wurde. Dies entwertet die Vorarbeit vieler Forschungsgruppen und lässt die Wissenschaftler ohne alternative Finanzierungsmöglichkeiten zurück, was die Planungssicherheit massiv zerstört.
Was passiert mit den positiv bewerteten Anträgen im „Ereuno – Kainonomo“-Programm?
Viele Anträge, die fachlich positiv bewertet wurden, erhalten keine Mittel, weil das Budget bereits erschöpft ist. Im aktuellen Zyklus betrifft dies 442 Forscher, was die Frage nach der ausreichenden Ressourcenplanung und der Transparenz des Programms aufwirft.
Wie verzögert sich die Förderung der Forschungsinfrastruktur?
Die Prozesse für die nationalen Forschungsinfrastrukturen dauern ungewöhnlich lange. Ein Prozess, der Ende 2023 begann, lieferte erst Mitte 2026 vorläufige Ergebnisse. Diese Verzögerungen von über zwei Jahren verhindern eine zeitnahe Modernisierung der wissenschaftlichen Einrichtungen in Griechenland.
Welche Bedeutung hat ELIDEK für die griechische Wissenschaft?
ELIDEK ist die zentrale Institution zur Förderung von Forschung und Innovation. Sie ist entscheidend für die Unterstützung von Postdocs und jungen Forschungsteams, benötigt jedoch eine klare, mehrjährige Budgetgarantie, um als verlässlicher Partner für die Wissenschaft zu fungieren.
