Bei den schwedischen Parlamentswahlen 2026 wechselten laut Exit Polls 12 Prozent der Wähler der Moderaten von Ministerpräsident Ulf Kristersson zu den vier Oppositionsparteien. Sechs Prozent davon gingen zu den Sozialdemokraten unter Magdalena Andersson. Die Ankündigung Kristerssons, die Schwedendemokraten in eine künftige Regierung aufzunehmen, gilt als Hauptgrund für den Wechsel.
Warum wanderten Moderaten-Wähler ab?
Die öffentlich-rechtliche SVT veröffentlichte unmittelbar nach Schließung der Wahllokale erste Exit-Poll-Daten. Demnach stimmten 12 Prozent der Personen, die 2022 noch für die Moderaten gestimmt hatten, diesmal für ein anderes Lager. Die Hälfte davon entschied sich für die Sozialdemokraten. Die übrigen sechs Prozent verteilten sich auf die übrigen drei Oppositionsparteien. Die Analyse führt den Wechsel direkt auf die Ankündigung Kristerssons zurück, die Schwedendemokraten gegebenenfalls in die Regierung aufzunehmen. Diese Ankündigung erfolgte bereits im April 2026 und wurde in den folgenden Monaten mehrfach bekräftigt. Kristersson hatte zudem gewarnt, dass ein Sieg der Sozialdemokraten die Verteidigungsausgaben gefährden und die NATO-Position Schwedens schwächen würde. Die Sorge vor einer schrittweisen Normalisierung der Schwedendemokraten trieb Teile der bisherigen Wählerschaft der Moderaten in das andere Lager. SVT nennt als Auslöser die klare Ankündigung einer Regierungsbeteiligung. Die Wähler, die sich abwandten, nannten die Sorge um die Normalisierung einer Partei mit rechtsextremen Wurzeln als zentrales Motiv. Die Hälfte der Wechselwähler entschied sich für die Sozialdemokraten und deren Vorsitzende Magdalena Andersson. Die Zahlen zeigen, dass genau diese Ankündigung den Ausschlag gab, weil sie als Signal einer dauerhaften Integration der Schwedendemokraten in die Macht wahrgenommen wurde. Damit verlor Kristersson einen relevanten Teil seiner bisherigen Basis, die eine solche Entwicklung ablehnte.
Wie stand es um die Ausgangslage vor der Wahl?
Seit 2022 regiert Kristersson in einer Minderheitsregierung aus Moderaten, Christdemokraten und Liberalen. Die Schwedendemokraten stützen diese Regierung von außen. Um eine neue Amtszeit zu sichern, erklärte Kristersson, dass er die Partei im Falle eines Wahlsiegs auch direkt in die Regierung holen würde, sofern er selbst Ministerpräsident bleibe. Die Schwedendemokraten erreichten 2022 rund 20,5 Prozent der Stimmen. Aktuelle Exit Polls sehen sie bei etwa 17 Prozent. Gleichzeitig liegt die linke Allianz rund fünf Prozentpunkte vor dem bürgerlichen Lager. Kristersson hatte im Wahlkampf betont, dass ein Sieg der Sozialdemokraten Schweden in Gefahr bringe, weil dann weniger Geld für die Verteidigung bereitgestellt werde und die Stellung des Landes in der NATO geschwächt werden könnte. Die Schwedendemokraten hatten sich in den Jahren zuvor programmatisch und personell bemüht, regierungsfähig zu erscheinen, und waren damit auf dem Weg ins politische Zentrum. Kristersson selbst hatte die Partei früher noch als untragbar bezeichnet. Die Ausgangslage war also geprägt von der Abhängigkeit von den Schwedendemokraten, die Kristersson nun offen in die Regierung integrieren wollte, um seine Position zu sichern. Diese Strategie wurde jedoch von Teilen der eigenen Wählerschaft nicht mitgetragen.
Welche Rolle spielt die Normalisierung der Schwedendemokraten?
Die Partei unter Jimmy Åkesson hat in den vergangenen Jahren programmatisch und personell versucht, sich als regierungsfähig darzustellen. Kristersson bezeichnete die Schwedendemokraten in früheren Jahren noch als untragbar. Die jetzige Bereitschaft zur Koalition wird von Teilen der ehemaligen Moderaten-Wählerschaft als zu weitgehende Annäherung an eine Partei mit rechtsextremen Wurzeln bewertet. SVT zitiert in ihrer Analyse mehrere Wähler, die angeben, die geplante Regierungsbeteiligung habe sie veranlasst, ihre Stimme anders zu vergeben. Die Sozialdemokraten unter Magdalena Andersson profitieren davon am stärksten. Die Ankündigung Kristerssons, die Schwedendemokraten auch dann in die Regierung zu holen, wenn sie mehr Stimmen hätten als die Moderaten, wurde von besorgten Wählern als Signal einer dauerhaften Normalisierung verstanden. Die Partei mit ihrer restriktiven Migrationspolitik und ihren ursprünglichen rechtsextremen Wurzeln rückte dadurch näher an die Macht. Dieser Schritt löste bei einem Teil der 2022er Moderaten-Wählerschaft den Entschluss aus, das Lager zu wechseln. Die Normalisierung wird somit als zentraler Grund für den Verlust von 12 Prozent der eigenen Wähler gesehen, weil sie die bisherige Abgrenzung aufgab.
Was bedeutet das für eine mögliche Regierungsbildung?
Sollten die endgültigen Ergebnisse die Exit Polls bestätigen, verliert Kristersson die Wahl. Eine Fortsetzung der bürgerlichen Regierung wäre ohne die Schwedendemokraten mathematisch nicht möglich. Kristersson hatte jedoch mehrfach betont, dass er nur unter seiner Führung mit der Partei zusammenarbeiten werde. Die Sozialdemokraten hingegen könnten eine Regierung mit Unterstützung der Linken und der Grünen bilden. Andersson hatte bereits im Wahlkampf eine klare Abgrenzung zu den Schwedendemokraten gezogen. Die Exit-Poll-Ergebnisse zeigen die linke Allianz rund fünf Punkte vor dem bürgerlichen Lager. Sollte sich dieser Vorsprung bestätigen, wäre ein Regierungswechsel die Folge. Kristersson hatte angekündigt, nur dann mit den Schwedendemokraten zu koalieren, wenn er selbst Ministerpräsident bleibt. Die endgültigen Zahlen werden in den nächsten Tagen feststehen und entscheiden, ob die geplante Einbindung der Schwedendemokraten tatsächlich zustande kommt. Damit hängt die künftige Regierungszusammensetzung direkt vom Ausmaß des Wählerverlusts ab.
FAQ: Häufig gestellte Fragen
Wie hoch war der Stimmenanteil der Moderaten 2022?
Die Moderaten erreichten 2022 Stimmen, von denen laut SVT-Exit-Poll 12 Prozent zu anderen Parteien wechselten.
Warum profitieren die Sozialdemokraten am meisten?
Sechs Prozent der ehemaligen Moderaten-Wähler gingen direkt zu den Sozialdemokraten. Dies entspricht der Hälfte aller Wechselwähler aus diesem Segment.
Welche Position vertritt Jimmy Åkesson?
Åkesson führt die Schwedendemokraten. Die Partei verfolgt eine restriktive Migrationspolitik und hat ihre rechtsextremen Ursprünge in den letzten Jahren öffentlich abgemildert.
Welche Koalitionsoptionen bestehen bei einem Sieg der Linken?
Die Sozialdemokraten könnten mit den Linken und den Grünen eine Minderheitsregierung bilden. Eine Tolerierung durch die Zentrumspartei gilt als möglich, ist aber nicht gesichert.
Wie hat sich die Unterstützung für die Schwedendemokraten entwickelt?
Die Partei liegt aktuell bei etwa 17 Prozent, nach 20,5 Prozent im Jahr 2022. Dies entspricht einem leichten Rückgang.
