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Venedig Filmfestival 2026: May el-Toukhy gewinnt als einzige Regisseurin den Goldenen Löwen

Venedig Filmfestival 2026: May el-Toukhy gewinnt als einzige Regisseurin den Goldenen Löwen

Das dänische Drama über eine Frau mit einem Geheimnis aus dem Zweiten Weltkrieg überzeugte die Jury unter Maggie Gyllenhaal. Weitere Auszeichnungen gingen an Jacqueline Lentzou, John Malkovich und das Gaza-Dokumentarfilm „NAZA“.

Warum erhielt May el-Toukhy den Goldenen Löwen?

May el-Toukhy ist die einzige Regisseurin, die im Hauptwettbewerb des 83. Venedig Filmfestivals mit einem Spielfilm vertreten war. Ihre dänische Produktion „Woman Unknown“ wurde mit dem Goldenen Löwen für den besten Film ausgezeichnet. Die Geschichte spielt in der Gegenwart und erzählt von der jungen Haushaltshilfe Marie, die sich auf eine Heirat mit ihrem wohlhabenden Arbeitgeber vorbereitet. Gleichzeitig verbirgt sie eine Beziehung zu einem deutschen Soldaten während des Zweiten Weltkriegs. Das Drama war die einzige im Wettbewerb, die ausschließlich von einer Frau inszeniert wurde. El-Toukhy nahm die Auszeichnung mit einer Rede entgegen, in der sie auf die strukturellen Hürden für Frauen im Filmgeschäft hinwies. Sie dankte Jury-Präsidentin Maggie Gyllenhaal ausdrücklich für deren öffentliche Kritik an fehlenden Finanzierungsmöglichkeiten für Regisseurinnen. Gyllenhaal hatte bereits am ersten Tag des Festivals in einer Pressekonferenz von einem systemischen Problem gesprochen. El-Toukhy betonte, die Produktion sei wirtschaftlich, materiell und emotional extrem anspruchsvoll gewesen. Sie habe die Notwendigkeit gespürt, unbekannte Frauen der gemeinsamen Geschichte sichtbar zu machen. In ihrer Dankesrede hob sie hervor, dass die Jury mit dieser Entscheidung ein Zeichen für mehr Chancengleichheit setzte. Die einzige Frau im Wettbewerb erhielt damit die höchste Auszeichnung des Festivals. Die Rede machte deutlich, wie schwierig es für Frauen bleibt, Projekte zu finanzieren und umzusetzen, und zeigte zugleich, dass die Entscheidung der Jury ein bewusster Schritt gegen diese Ungleichheit war.

Welche weiteren Preise vergab die Jury?

John Malkovich erhielt den Volpi-Pokal als bester Schauspieler für seine Rolle als exzentrischer CIA-Agent in „Wild Horse Nine“. Der 72-jährige Schauspieler nahm den Preis per Video entgegen, da er gerade in Montreal drehte. Er äußerte sich beeindruckt, dass er für einen Preis ausgewählt wurde, der bereits in 83 Ausgaben des Festivals an viele herausragende Schauspieler vergeben wurde. Das israelische Dokumentarfilm „NAZA“ über den Gaza-Konflikt wurde mit dem Sonderpreis der Jury geehrt. Die beiden Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor hatten bereits 2024 mit „No Other Land“ Erfolg. Abraham sprach bei der Preisverleihung von Angriffen israelischer Politiker und Journalisten auf den Film, die ihn noch nicht einmal gesehen hätten. Im Nebensektion Orizzonti gewann die griechische Regisseurin Jacqueline Lentzou den Regiepreis für „Mia Mera Sti Zoi Tis Tzo: Kefalaio Faidra“. Die in Athen spielende Geschichte ist vom Dezember 2008 inspiriert, als nach der Tötung eines 15-jährigen Jungen durch einen Polizisten Unruhen ausbrachen. Lentzou erhielt zudem den Edipo-Re-Preis für Inklusion und Nachhaltigkeit. Sie betonte in ihrer Rede das Risiko, das sie mit dem unabhängigen Projekt eingegangen sei. Die doppelte Auszeichnung unterstreicht ihre anhaltende internationale Präsenz und die Bereitschaft, gesellschaftlich brisante Themen anzugehen.

Wie setzte sich die Jury zusammen?

Unter dem Vorsitz von Maggie Gyllenhaal gehörten der Jury der Hongkonger Regisseur Johnnie To, die afghanische Filmemacherin Shahrbanoo Sadat, der französische Regisseur Xavier Giannoli, der Komponist Daniel Blumberg sowie der italienisch-amerikanische Filmwissenschaftler Francesco Casetti an. Die Zusammensetzung spiegelt die internationale Ausrichtung des Festivals wider. Die griechische Regisseurin Kaouther Ben Hania, deren Film „The Voice of Hind Rajab“ im Vorjahr ausgezeichnet worden war, gehörte ebenfalls der Jury an. Ben Hania war damit Teil einer Jury, die erstmals seit langer Zeit wieder eine alleinige Regisseurin mit dem Hauptpreis auszeichnete. Die Vielfalt der Mitglieder aus unterschiedlichen Ländern und Disziplinen beeinflusste die Entscheidungen maßgeblich und sorgte für eine breite Perspektive auf die eingereichten Werke.

Welche weiteren Filme wurden ausgezeichnet?

Der Preis für das beste Drehbuch ging an Stéphane Brizé, Coralie Amédéo und Olivier Gorce für „Un Bon Petit Soldat“. Als bester Debütfilm wurde „La maison du vent“ von Auguste-Bernard Kouémou Yangou prämiert. Im Bereich restaurierter Filme erhielt „La lunga notte del ’43“ von Florestano Vancini eine Auszeichnung. Weitere Filme im Wettbewerb waren „Primetime“ von Lance Oppenheim, „Ink“ von Danny Boyle, „Company“ von Casey Affleck, „Bucking Fastard“ von Werner Herzog, „Look Back“ von Hirokazu Kore-eda, „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh und „Bunker“ von Florian Zeller. Die Auswahl zeigte die Vielfalt der eingereichten Projekte aus unterschiedlichen Ländern und Genres. Jede dieser Produktionen brachte eigene stilistische und thematische Schwerpunkte mit, die von der Jury diskutiert wurden.

Welche weiteren Ereignisse prägten das Festival?

Während der Abschlusszeremonie wurde des verstorbenen britischen Produzenten Jeremy Thomas gedacht, der am Vortag im Alter von 77 Jahren starb. Thomas hatte 1988 den Oscar für den besten Film für „Der letzte Kaiser“ erhalten und über 17 Jahre mit Bernardo Bertolucci zusammengearbeitet. Gianluca Farinelli, Leiter der Filmarchive von Bologna, würdigte Thomas als Liebhaber des Kinos, das von Menschen und nicht von künstlicher Intelligenz gemacht werde. Bereits zuvor wurden Ellen Burstyn und George Clooney mit dem Goldenen Ehrenlöwen für ihr Lebenswerk geehrt. Im Vorjahr hatte Jim Jarmusch den Hauptpreis für „Father Mother Sister Brother“ erhalten und Benny Safdie den Silbernen Löwen für die Regie von „The Smashing Machine“. Die Gedenkminute für Thomas zeigte, wie stark die Branche von langjährigen Wegbereitern geprägt bleibt.

FAQ: Venedig Filmfestival 2026

Wie viele Filme konkurrierten um den Goldenen Löwen?

Neben „Woman Unknown“ waren unter anderem „Primetime“ von Lance Oppenheim, „Ink“ von Danny Boyle und „Bucking Fastard“ von Werner Herzog im Rennen.

Warum gilt el-Toukhys Sieg als historisch?

Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass eine alleinige Regisseurin den Hauptpreis gewinnt. Die Jury betonte die anhaltende Unterrepräsentation von Frauen im Wettbewerb.

Welche Bedeutung hat der Preis für „NAZA“?

Das Dokumentarfilm erhielt den Sonderpreis der Jury und thematisiert den Gaza-Konflikt. Die Regisseure äußerten sich kritisch zu Angriffen auf den Film in Israel.

Was zeichnet Jacqueline Lentzous Erfolg aus?

Die griechische Regisseurin gewann zwei Preise im Nebensektion Orizzonti und setzte damit ihre internationale Karriere fort.

Wann fand die Preisverleihung statt?

Die Zeremonie schloss das Festival am 12. September 2026 ab.